Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik
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Interdisziplinärer-Neuro-Intensiv-Diskurs

Der interdisziplinäre Diskurs zwischen Neurowissenschaftlern, Philosophen und Psychologen läuft… oder lief… auf Hochtouren, doch allzu oft ins Leere. 

So gab es einmal ein DFG Schwerpunktprogramm Kognition und Gehirn, an dem international renommierte Neurowissenschaftler, Philosophen und Psychologen wie Gerhard Roth, Ansgar Beckermann und Wolfgang Prinz beteiligt waren. Bald zeigte sich jedoch, dass die Kooperation gerade an dieser inhaltlichen Schnittstelle – aller akademischen Expertise und allem inhaltlichen Interesse zum Trotz – keineswegs leicht werden würde.

„Beide Gruppen, die Psychologen und die Neurobiologen, fanden die Zusammenarbeit in dem genannten Programm mit den Philosophen überwiegend nutzlos und ärgerlich und wollten nie wieder mit diesen Leuten zu tun haben. […] Einige der beteiligten Philosophen hatten das Schwerpunktprogramm aufgrund von Konflikten […] frühzeitig verlassen. Andere Philosophen erklärten am Schluss des Programms, sie seien an einer weiteren Zusammenarbeit nicht mehr interessiert […]. Als Konsequenz wurde eine Neuauflage des Schwerpunktprogramms ohne Philosophen geplant.“
Information Philosophie
http://www.michael-funken.de/information-philosophie/philosophie/neurowissenschaft.htm

 

Doch die Hoffnung auf eine inspirierende Kooperation an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, Philosophie und Psychologie lebt weiter. Allein, welchen neuen Kurs wollen wir uns setzen, um in günstiges Fahrwasser zu geraten?

An den Universitäten in Stanford und Potsdam ist mit dem Design Thinking eine Kultur der interdisziplinären Zusammenarbeit gewachsen, die schon zahlreichen, anspruchsvollen Kooperations-Projekten einen fruchtbaren Nährboden geliefert hat. Wir vom e.valuate Forschungsteam hoffen, über das Design Thinking auch dem herausforderungsreichen akademischen Diskurs an der Schnittstelle von Neurowissenschaft, Philosophie und Psychologie willkommene Anregungen liefern zu können. So bitten wir Vertreter der drei Disziplinen erneut zur Diskussion: Am 22. Mai 2010 laden wir an der D.School in Potsdam zu einem eintägigen interdisziplinären Intensiv-Diskurs. Wir freuen uns auf eine Zusammenkunft von Doktoranden und Post-Docs, die zu diesem Anlass aus ganz Deutschland anreisen.

Doch die Herausforderung ist groß. Ungewiss ist keinesfalls nur, ob wir befriedigende Antworten auf unsere inhaltlichen Fragen finden werden. Ungewiss ist schon, ob es überhaupt gelingen wird, ein geteiltes Problemverständnis zu entwickeln, von dem aus eine gemeinschaftliche Suche nach inhaltlichen Antworten ihren Ausgang nehmen kann. Man denke an die Eindrücke und Erfahrungen, von denen Wolfgang Prinz nach dem unglücklichen Verlauf des DFG-Programms berichtet:

„Gegenwärtig erleben wir ja einen Boom, in dem sich namentlich Neurobiologen und Philosophen zusammentun, um den Zusammenhang zwischen Geist und Gehirn zu erklären. Ich fürchte allerdings, dass dieser Boom auf einem grandiosen Missverständnis darüber beruht, was von einem Dialog zwischen diesen beiden Wissenschaften überhaupt erwartet werden kann. Dieser Dialog lebt nämlich von der Illusion, dass beide Seiten von den gleichen Problemen reden.“
Information Philosophie, 2000 (1), S. 109

 

Indes könnte gerade Design Thinking bei der Suche nach einem geteilten Problemverständnis hilfreich sein. Von der außergewöhnlichen Arbeitsumgebung bis hin zur Bevorzugung lebensweltlicher Diskussionsszenarien ist im Design Thinking alles darauf angelegt, eingefahrene, akademische Denkmuster neu zu öffnen. Ihren Ausgang nehmen Design Thinking Projekte vielfach von Alltagsszenarien, über die sich Diskursteilnehmer auch unabhängig von ihrem spezifischen Fachwissen verständigen können. Hinter jedem Detail steht das Anliegen, eine offene Kultur interdisziplinärer Kooperation zu schaffen, die sowohl intellektuell als auch emotional anregend sein soll.  

Ob es auf dem Workshop tatsächlich gelingen wird, einen befriedigenden Diskurs anzustoßen – und wohin dieser ggf. führt – das wird in Kürze hier zu lesen sein.

 

Informationen für Teilnehmer