Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik
Das neue Internet-Protokoll kommt

"Das HPI ist ein großer Gewinn für  die  Wissen- schaftsregion Berlin-Brandenburg." Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin

Das neue Internet-Protokoll kommt

Das Internetprotokoll in der aktuell eingesetzten Version 4 (IPv4) steht seit einiger Zeit an der Grenze seiner Kapazität. Denn die allerletzten Internetanschlussadressen des alten Standards werden in Kürze zunächst in Asien, dann in Europa und danach in den USA an die Endkunden verteilt sein. Nun steht ein Wechsel zum Internet der neuen Generation an, dem Internetprotokoll in der Version 6. Dieser Wechsel ist schon seit längerer Zeit absehbar und wurde seit Mitte der 1990er Jahre vorbereitet. Den konkreten Umstieg gaben die Organisationen Number Resource Organization (NRO), Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Internet Society (ISOC) und Internet Architecture Board (IAB) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Februar 2011 in Miami bekannt.

Die vor gut zehn Jahren entwickelten neuen Datenverkehrsregeln fürs Netz sind technisch ausgereift und kommen vor allem in den USA und in Asien bereits zum Einsatz. Der neue IPv6-Standard ist nicht nur Voraussetzung für intelligente Lösungen bei der Heimvernetzung, sondern auch bei der Gebäudesteuerung, in der Telemedizin und generell im so genannten "Internet der Dinge", etwa bei der Kommunikation mit und zwischen Autos. Auch ermöglicht der neue Standard einfachen und leistungsfähigen mobilen Zugriff auf das Internet sowie interaktives, internetbasiertes Fernsehen (IPTV). Höhere Sicherheit ist zudem inbegriffen.

IPv6 stellt 340 Sextillionen (2128) IP-Adressen für Netzanschlüsse bereit, was einer Zahl mit 39 Stellen entspricht. Mit diesem Volumen könnten umgerechnet für jeden einzelnen Quadratmillimeter Erdoberfläche rund 667 Billiarden IP-Adressen vergeben werden - ein praktisch unerschöpfliches Potenzial. Der derzeit noch verwendete Internetprotokoll-Standard IPv4 (Version 5 kam nicht zum Einsatz) begrenzt diese Zahl auf 236 und damit rund vier Milliarden Adressen. IPv4 ist fast 30 Jahre alt, stammt also aus der Pionierzeit des Internets und weist etliche Schwachstellen, z.B. im Sicherheitsbereich auf.

Die bisherigen Netzanschlussadressen sind aufgebraucht

Nach Hinweisen der internationalen Organisationen Number Resource Organization (NRO), Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Internet Society (ISOC) und Internet Architecture Board (IAB) wurden Anfang Februar alle Netzanschlussadressen des bisherigen IPv4-Standards restlos den regional zuständigen Registrierungsstellen zugeteilt. Diese, so schätzen Experten, dürften bis etwa bis Mitte des Jahres 2011 alle alten Adressen an die Endnutzer vergeben. In der Geburtsstunde des Internets konnte kaum einer damit rechnen, dass die theoretisch vorhandenen vier Milliarden Adressen des IPv4-Netzes einmal nicht mehr ausreichen würden und hunderte Millionen von Endgeräten übers Netz direkt zu erreichen seien. Im Jahr 2020, so hat es das Unternehmen Ericsson geschätzt, könnte es bereits 50 Milliarden Geräte geben, die übers Internet miteinander verbunden sein werden.